Vor einigen Tagen wurde ich von Jörg K. Unkrig gefragt, ob ich nicht an einer Blogparade zum Thema Vorbild teilnehmen möchte.
Sofort ist mir eine Geschichte eingefallen:

Das erste was mir spontan zum Thema Vorbild einfällt, ist ein Neidbild.

Vor vielen Jahren, als ich meine Erstgeborene Morgens zur Kinderkrippe brachte begegnete mir Morgens, beim Abgeben und Nachmittags beim Abholen manchmal eine Mutter.

Diese Mutter hatte auch türkische Wurzeln und einen deutschen Mann, so wie ich selbst.

Sie war nett und zauberhaft, und doch schlich sich mit der Zeit bei mir eine Verkrampfung ein.
Sie wurde mir unangenehm. Ich empfand Stress ohne ihn begründen zu können.

Ich dachte Dinge wie: die schon wieder; sie nervt;…

Irgendwann fragte mich jemand: Was hast du eigentlich gegen Sie? Sie ist doch supernett?

Ja, was hatte ich für ein Problem?

Ich konnte nicht beantworten was mir nicht gefällt, stattdessen, war mir sofort klar, dass sie für mich etwas verkörperte, was ich „noch“ nicht tat oder konnte.

Sie lebte mit einer Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit ihre deutsche und ihre türkische Seite aus. Ich hingegen spreche bis heute kein türkisch mit meinen Kindern.

Meine körperliche Reaktion hat mir eine persönliche Sehnsucht gezeigt. Seit ich diesen Gedankengang hatte, konnte ich meinen „Neid“ transformieren und neue Gefühle empfinden.

Sie ist weggezogen, doch als ich ihr damals, nach diesem Mindwechsel wieder begegnete, begegnete ich ihr mit einem inneren Lächeln und Wärme. Aus dem Neidbild wurde ein Vorbild.

Das fiese an Neid ist die missachtete Anerkennung, denn im Grunde steckt dahinter die Botschaft:
Ich will das auch/ Ich würde das auch gerne können / …
Doch dieser Gedanke ist auch schwächend weil er den Mangel betont.
Wenn du deinen Neid transformiert hast, empfindest du anders, ich kann seitdem denken: Danke, dass du in mein Leben getreten bist, mir meine Sehnsucht danach zeigst meine türkischen Wurzeln zu würdigen und mir ein Vorbild bist für Authentizität.

Mit dieser Geschichte möchte ich dich animieren dich zu hinterfragen.

Gibt es in deinem Umfeld auch den ein oder anderen Menschen der dich (schmerzhaft) nervt?
Könnte es sein, dass dieser Mensch etwas verkörpert, was du gerne auch leben würdest?
Könntest du sagen:
LiebeR ,
vielen Dank dafür, dass du mir meine Sehnsucht nach zeigst und mir dadurch ein Vorbild für bist.

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