Warum mich „spitze Positionierungen“ nerven und wieso ich mich weit und breit machen werde

Es gibt so viele Strömungen, die wie allgemeingültige Gesetze erscheinen:

Impfen lassen ist besser als nicht impfen lassen.
Das normale Schulsystem ist immer noch besser als irgend so ein komisches anderes
Alle Muslime sind frauenfeindlich
Fleischesser stinken
Veganer leben auf Dauer ungesund und unnatürlich sowieso, außerdem macht sich der Mangel von B12 irgendwann geistig bemerkbar
Die Geburt in einem Krankenhaus mit integrierter Kinderklinik ist die sicherste Art ein Kind auf die Welt zu bringen…

Ist alles Mainstream-Quatsch & schön bequem weil es widerspiegelt was scheinbar die meisten denken.

So und jetzt zum Online-Business. Ziemlich genau seit einem halben Jahr beschäftige ich mich damit und empfinde folgende Strömung als sehr nervig:

Du brauchst eine spitze Positionierung, je spitzer, desto klarer. Nur so kannst du von deiner Zielgruppe gefunden werden. Nur wenn du spitz genug bist kannst du leicht in den bestehenden Markt eindringen, bla bla bla.

Für meinen Verstand ist das sehr einleuchtend. Doch alle meine anderen Intelligenzkörper rebellieren bei dem Bestreben mich spitz zu positionieren.

Ich bin nicht spitz! Ich bin unendliche Weite.

Ich bin kein systemischer Coach. Ich finde systemischer Coach klingt scheiße. Ich habe eine Ausbildung als systemischer Coach gemacht. Das war toll, hat mich bereichert, ist integriert.

Warum sollte ich das als Aushängeschild nehmen damit meine Zielgruppe mich besser findet. Wer sucht direkt nach einem „sytemischen Coach“? Ich nicht.

Ich bin so vieles, so will ich mich zeigen, mit meiner Vielfalt und ich will vielfältige Lieblingskunden anziehen. Die Einfältigen werden sich nicht angezogen fühlen, sie werden abgeturnt sein von mir.

Das ist ok, ich gewöhne mich dran.

Immer diese beschissene Frage: was ist deine Expertise. ICH HABE NICHT NUR EINE SONDERN VIELE, VIELE, VIELE und sie BEFRUCHTEN SICH GEGENSEITIG und SIND VERNETZT UND GLEICHWERTIG.
Ich zähle mal ein paar auf:

Meisterin der natürlichen Geburt!
Ist die aber anmaßend – werden vielleicht manche denken.
Nein bin ich nicht! Ich weiß einfach was ich kann und was mir möglich ist, ich weiß auch was ich nicht kann! Ich kann aus tiefster Kehle schreien, vertrauen, meinem Schmerz zuhören, geistig mit meinem Baby kommunizieren. Mit 4 natürlichen Geburten, 2 im Krankenhaus, 2 zu Hause – eine davon ohne Hebamme/Arzt habe ich so viele Erfahrungen gesammelt, Prüfungen erlebt.
Auch wie es ist nicht auf die innere Stimme zu hören und sich überreden zu lassen zu einer unnötigen Einleitung, die Enge und das Dogma des Gesundheitssystems gespürt – NATÜRLICH hat mich das geprägt und natürlich fließt das in jede andere Expertise hinein. Und nein – Hebamme will ich nicht werden.

Künstlerin
Ich male Seelenbilder, Potenzialportaits: Ich bringe Bilder meiner Seele zum Ausdruck, für die Worte nicht ausreichend sind. Es beginnt mit einer Inspiration, die ich grob skizziere, dann nehme mir eine Leinwand, grundiere sie und dann entsteht das Bild. Manchmal ein ganz anderes und manchmal übermale ich das Bild mehrmals. Es ist alles möglich. Irgendwann kommt das Gefühl: es reicht. Ich könnte immer noch verfeinern und verbessern…. Aber auf der künstlerischen Ebene war ich noch nie eine Detailversessene, der Ausdruck ist mir wichtiger. Und dann wird beendet und damit es mich nicht mehr in den Fingern juckt lasiere ich das Bild. Natürlich fließt mein künstlerisches Bewusstsein und Erfahrungsfeld in jede andere Expertise, das übermalen und nochmal übermalen, die Entscheidung dass es reicht, das abweichen von der Skizze, das schwelgen, vertiefen, betonen.

Berufungscoach
Mit dem Lebensplankompass führe ich liebevoll und bestimmt meinen Kunden in die Selbstentfaltung: er (an)erkennt seine Gaben & Expertisen, was ihn nährt, stärkt, wonach er strebt, was die wirklich wichtigen Wesentlichen to do‘s jetzt sind für ihn. Gleichzeitig schärft er seine Entscheidungsstärke, denn die Berufung zu leben ist ein Nebeneffekt hochintelligenter Entscheidungen.
Ohne meine Kinder, Schwangerschaften, meine Vergangenheit,…. wäre ich nicht Berufungscoach geworden, meine Inspirationen spiegeln sich hier in meinem Wirken.
Außerdem ist Berufung leben ein Bewusstseinszustand du bist das was durch dich wirkt, all deine Erfahrungen, Werte, Worte, Taten, Lebensrollen, was du machst und was du nicht (mit-)machst….

Mutter
Der härteste Job überhaupt & der anspruchsvollste. Hier lerne ich wie wichtig mir wertschätzende Kommunikation ist. Hier spüre ich wo ich verklemmt und unfair bin. Hier bin ich zuverlässig, down to Earth, Versorgerin, überfordert, genervt, erschöpft, liebevoll, Arschloch, suchend, findend, lernend, glücklich, stolz, wütend auf die Hausarbeit und natürliche Fremdbestimmung durch die Kinder, wütend das Pläne scheinbar überflüssig sind weil immer wieder etwas dazwischen kommt: Krankheiten in Kettenreaktion, schlaflose Nächte, hier spüre ich Grenzen und Grenzenlosigkeit zugleich, Verantwortung haben, ausgelaugt, ausgelutscht, tiefe Liebe, tiefer Hass (wenn das Lieblingssofa mit Edding vollgekritzelt wird, das neueste Kunstwerk zerrissen ist….)
Resignation,
immer öfter Entspannung weil ich merke dass planen nichts bringt und es wichtig ist Freude & Flexibilität & Fokussiertheit zu leben.
Meine Kinder sind meine wichtigsten Spiegel, Lehrer und Inspiratoren.

Märchenwerkstatt
Ich lieeeebe meine Märchenwerkstatt. Jeden Montag biete ich das ehrenamtlich an. Ich habe ein Spiel entwickelt, dass die teilnehmenden Kindergartenkinder dazu ermutigt mithilfe von vorgegebenen Bildern Geschichten zu erfinden, die einen roten Faden haben. Anschließend malen sie selbst Bilder und erzählen im Team eine Kurzgeschichte. Für mich sind es oft kleine Märchen weil darin eine große Weisheit steckt, manchmal ist es auch nur Quatsch mit Soße. Ich liebe es mit Kindern zu arbeiten. Aber Kindergärtner/Erzieher will ich nicht sein, das wäre mir alles zu laut. Einmal die Woche, das ist perfekt. Die Art wie diese süßen miteinander umgehen inspiriert mich sehr, sie akzeptieren jede Möglichkeit und Wendung und integrieren alles mühelos: sie verkörpern spielerisch, dass alles möglich ist.

Tarot 2.0
Es hat angefangen als Spiel und sich gezeigt als große Gabe. Egal wie gut oder schlecht es mir geht, oder auch wenn ich krank bin: ich kann immer exzellent Karten legen. Ich drücke das aus was mein Kunde im innersten spürt, ich kläre den Kopf und erleichtere das Herz damit. Vorausgesetzt ich erhalte die Erlaubnis dazu. Ich kann hier so vieles sehen und ausdrücken. Es lädt mich auf und ist eine Kraftquelle. Durch das Kartenlegen spüre ich meine Spiritualität, ich spüre durch das Feedback meines Gegenübers, dass wir verbunden sind, denn mein Sehen & Ausdrücken & Mitfühlen ist nur möglich weil ich verbunden bin und wir verbunden sind.

Da sind noch viele weitere spannende Expertisen die mein Wirken wesentlich beeinflussen: aber ich habe keine Lust mehr das zu vertiefen.

Kurzgefasst:
Ich zeige mich so wie ich bin.

Jede Woche ein bisschen mehr, so wie es stimmig ist.
Buchbar bin ich dann wenn es soweit ist.

Ich habe noch keine Wehen, nicht mal Übungswehen.

Liebe Grüße,

Suzan

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